BlogEin Wintertag in Winnipeg!

Ein Wintertag in Winnipeg!

Winnipeg – einer der kältesten Großstädte der Welt!

Ein Gastbeitrag vom in Kanada lebenden Journalisten Jörg Michel

Plötzlich schlägt mir die Kälte entgegen. Kaum öffne ich die Türe, fährt mir ein schneidender Wind unter meinen Winterparka. Winzige Eiskristalle treiben mir ins Gesicht und stechen auf der Haut wie feine Nadeln. Hastig setze ich mich in Bewegung, hetze zur nächsten Kreuzung, dann zur darauffolgenden. Jetzt bloß keine rote Ampel, bloß nicht anhalten.

Dann taucht mein Ziel auf: die Winnipeg Art Gallery. Im Schneetreiben ist das Kalksteingebäude nur schemenhaft zu erkennen. Doch wo befindet sich der Eingang – vorne oder doch auf der Rückseite? Die Nase ist längst taub, die Augen tränen, jeder Atemzug fällt schwer. Nach einer schnellen Runde um das Museum entdecke ich eine schmale Tür. Rasch hinein, den Schnee von den Schuhen klopfen. Geschafft!

Ich bin zu winterlichem Besuch in Winnipeg, einer der kältesten Metropolen der Welt. Das Thermometer zeigt minus 25 Grad, gefühlt sind es mit dem Windchill eher minus 40. Für die Präriehauptstadt ist das nichts Außergewöhnliches, schließlich gilt Winnipeg als Kanadas Tor zur Arktis – und das ganz wörtlich. In den Wintermonaten peitschen eisige Luftmassen von der zugefrorenen Hudson Bay über die weiten Ebenen und dringen bis tief in die Straßenschluchten der Innenstadt vor.

Bei diesen Temperaturen erscheint mir die Winnipeg Art Gallery wie eine Festung. Erleichterung verschafft mir die warme Heizungsluft, die aus Rohren in die Ausstellungsräume strömt, und die mich die klirrende Kälte draußen schnell vergessen lässt. Zwar dominiert auch im Inneren des Museums der Winter – in diesem Fall aber nur thematisch: Die Winnipeg Art Gallery beherbergt die größte Sammlung arktischer Kunst weltweit. In gedämpftem Licht schlendere ich an Vitrinen mit geschnitzten Figuren aus Stein, Elfenbein und Walknochen vorbei – Eisbären, Robben, Wale. An den Wänden hängen Drucke und Filzteppiche, die Inuit bei der Jagd, beim Fischen oder auf dem Hundeschlitten zeigen.

In Winnipeg ist der Winter eben allgegenwärtig – und die Bewohner wissen ihn zu nutzen. Bewusst wird mir das an der bekanntesten Flussgabelung der Stadt, an den „Forks“, wo der Red River und der Assiniboine River zusammentreffen. In der kalten Jahreszeit verwandeln sich die beiden Flüsse auf einer Länge von fast neun Kilometern in die längste natürliche Eislaufstrecke der Welt – und zugleich in eine außergewöhnliche Partyzone auf dem Eis.

Inzwischen ist es Nachmittag, doch die Temperaturen fühlen sich weiterhin an wie minus Unendlich. Über dem Fluss spannen sich Lichterketten mit bunten Partylichtern, in kleinen Holzhütten mit qualmenden Schornsteinen werden Snacks verkauft. Aus gewaltigen Lautsprechern, gespeist von röhrenden Dieselgeneratoren, wummert Musik über das Eis.

Ich mische mich unter die Menge. Mütter schieben dick eingepackte Kinderwagen über den Fluss. Arbeiter vom nahegelegenen Bahnhof stoßen an der Eisbar nach Feierabend mit einem Grog an. Besucher wärmen sich an knisternden Lagerfeuern am Ufer oder ziehen sich in eine der farbenfrohen Wärmehütten zurück, die Künstler aus aller Welt hier jeden Winter errichten.

Mitten auf der Eisfläche stoße ich auf ein X-förmiges Zelt: das Pop-up-Restaurant „Raw Almond“. Gemeinsam mit Dutzenden Gästen in Pudelmützen sitze ich auf einem mit Fell bezogenen Holzblock an einem langen Tisch und warte fröstelnd auf mein Gourmetmenü. Ein Erlebnis der besonderen Art.

Der Koch arbeitet mit einer Trappermütze auf dem Kopf und erzählt, dass seine Küche auf Eis steht, und das er dort mitunter sogar übernachtet – in einem Campingzelt, bei Temperaturen von bis zu minus 45 Grad. Hardcore.

Winnipeg – im Winter eine der kältesten Metropolen der Welt!

  • Oft minus 25 Grad, gefühlt sind es mit dem Windchill aber eher minus 40 Grad

  • Die Präriehauptstadt Winnipeg gilt als Kanadas Tor zur Arktis

  • Eisige Luftmassen von der zugefrorenen Hudson Bay über die weiten Ebenen und bis in die Straßenschluchten von Winnipeg

  • Mit fast neun Kilometern in die längste natürliche Eislaufstrecke der Welt – und zugleich eine außergewöhnliche Partyzone auf dem Eis

  • Royal Winnipeg Ballett, eines der renommiertesten Ballett-Ensembles in Nordamerika

  • Besuch von Winnipeg Art Gallery

  • Besuch von Canadian Museum of Human Rights

Die tief stehende Sonne über Winnipeg ist längst hinter dem Horizont verschwunden, als ich einige Stunden später im Foyer der Centennial Hall ankomme. Der Abend hat begonnen, und vor dem Opernhaus reiht sich ein Pick-up Truck an den nächsten. Viele Konzertbesucher sind in Canada-Goose-Jacken und Thermohosen gehüllt. Sie eilen an der Garderobe vorbei direkt in den Saal und legen ihre Winterkleidung über die Sitze.

Ich freue mich auf den Höhepunkt des Tages: einen Auftritt des Royal Winnipeg Ballett, einem der renommiertesten Ballett-Ensembles in Nordamerika. Gezeigt wird „Nussknacker“ von Peter Tschaikowsky. Irgendwie scheint die Kälte und Abgeschiedenheit Winnipegs eine besondere kreative Energie freizusetzen: Die Lichter gehen aus, das Orchester beginnt zu spielen – die Musik fließt wie warme Luft durch den Saal. Die Tänzerinnen und Tänzer betreten die Bühne mit Anmut, Leichtigkeit und Eleganz. Draußen wütet ein Schneesturm, doch drinnen ist der Winter auf eine fast magische Weise verschwunden.

ENDE

Anreise: Von Europa mit dem Flugzeug und umsteigen in Toronto oder Montréal.

Allgemeine Informationen der Provinz Manitoba: www.travelmanitoba.com, Fremdenverkehrsamt Winnipeg: www.tourismwinnipeg.com

Reisezeit: 
Die beste Reisezeit im Winter ist von Dezember bis März. Im Sommer empfehlen wir die Reise nach Winnipeg von Mai bis Oktober.
Ausser mit dem Flugzeug kann Winnipeg auch mit dem Zug, dem berühmten „The Canadian“ erreicht werden. In den Sommermonaten kann Winnipeg auch in eine Mietwagen- oder Wohnmobiltour von Ost bis West eingebunden werden.

—————–
Jörg Michel arbeitet als freier Journalist, Buchautor und Auslandskorrespondent in Kanada. Nach über zehn Jahren bei einer Tageszeitung in Berlin war er 2010 nach Kanada ausgewandert. Dort lebte er unter anderem in Banff, Jasper und Victoria bevor er nach Calgary zog. In Kanada hat er alle Provinzen und Territorien bereist, meist mehrmals. Im 360-Grad-Verlag sind von ihm zwei Reiseführer „abseits der ausgetretenen Pfade“ erschienen: einer über Alberta, einer über British Columbia.

Auf Social Media finden Sie ihn auf Facebook (@storiescanada) und Instagram (joerg_stories_canada)
Jörg Michel – Stories and Discoveries in Canada | Facebook
Jörg Michel 🇨🇦 (@joerg_stories_canada) • Instagram

—————–
Informationen zu Reisen:
Gerne organisieren wir für Sie Reisen z.B. eine individuell gestaltete Mietwagen- oder Wohnmobiltouren nach Vancouver Island. Finden Sie hier ein Reisebeispiel für Manitoba. Weitere Mietwagenreisen finden Sie unter Mietwagenreisen / Zugreisen finden Sie hier

Schreiben Sie uns von Canada Dream Tours Ihre Reisewünsche: mail@canadadreamtours.de 
Wir bieten Ihnen IHRE individuell gestaltete Reise!

Verpasse nicht unsere aktuellen Infos über Kanada auf unseren Social Media Kanälen!

Ähnliche Artikel







    DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner