Das kanadische Cape Cod!
Ein Gastbeitrag vom in Kanada lebenden Journalisten Jörg Michel
Mitten im Golf von Sankt-Lorenz liegen die kleinen Fischerinseln Iles-de-la-Madeleine. Sie sind ein pittoreskes Paradies für Paddler, Gourmets und Kite-Surfer.
Als sich unser Fährschiff den Inseln nähert, beginnt ein wahres Festival für meine Augen. Wie ein goldgelber Streif am Horizont liegen die Inseln im weiten unendlichen Blau des Atlantiks. Hinter roten Klippen und grünen Hügeln leuchten gelbe, pinke und blaue Holzhäuschen in Sommersonne. Im kleinen Hafen am Ufer wippen grüne Fischkutter im Wind.
Wir nähern uns den Îles-de-la-Madeleine, einer Gruppe von Fischerinseln im Atlantik, die zu Québec gehören und auch als Magdalenen-Inseln bekannt sind. Dank ihrer weitläufigen Dünen, flachen Lagunen und malerischen Ortschaften erinnern sie mich an Neuengland, fast wie auf Cape Cod. In Europa sind die zwölf Inselchen weitgehend unbekannt. In Kanada dagegen sind sie populär und ein beliebtes Urlaubsziel.

„Bonjour“, begrüßt uns ein Guide im Hafen von Cap-aux-Meules, an dem das ganze Jahr über Fähren und Kreuzfahrtschiffe festmachen. Fünf Stunden dauerte die Überfahrt mit der Autofähre von Prince Edward Island zu den Inseln, auf denen hauptsächlich Französisch gesprochen wird.
Der Guide ist im Hauptberuf Fischer und Hummerfänger – so wie viele Bewohner. Mit einem Minibus zeigt er uns heute die Inseln, die größtenteils durch schmale Dünenstreifen miteinander verbunden sind. „Früher waren Sandbänke und Strände die einzigen Wege, um sich hier fortzubewegen“, erzählt er. Heute ist das Leben für Besucher und die rund 13.000 Einwohner deutlich komfortabler. Eine knapp 100 Kilometer lange Hauptstraße durchzieht das Archipel und verläuft dabei größtenteils entlang der feinen Sandstrände.
Vor einem spinatgrünen Holzhaus mit leuchtend gelben Picknickstühlen im Garten hält unser Bus an. Ein Schild weist auf das „Centre d’Interprétation du Phoque“ hin – das Robbenmuseum. Seit die ersten akadischen Siedler 1765 die zuvor unbewohnten Sandbänke besiedelten, spielen die Meeressäuger auf den Inseln eine bedeutende Rolle.

„Fast alle Fischer hier gehen im Winter auf Robbenjagd“, erzählt uns der Guide und deutet im Museum auf einige ausgestopfte Tiere. Während die Jagd in Europa oft kritisch gesehen wird, war sie für viele Familien auf den Inseln lange Zeit überlebenswichtig: „Im Winter waren wir durch das dichte Packeis im Sankt-Lorenz-Golf häufig wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten – da war man auf das Fleisch angewiesen“, erklärt er.
Heute werden die Inseln im Winter von einer eisgängigen Fähre versorgt, sodass die Jagd längst nicht mehr den gleichen Stellenwert hat wie früher. Dennoch ist die Tradition lebendig geblieben, und im Museum sehen wir zahlreiche Robben-Produkte – von Wurst und Paté bis hin zu Ölen und Fellen. Für viele Einheimische gilt das dunkle Fleisch, das mich geschmacklich an Rinderleber erinnert, nach wie vor als Delikatesse. Interessant – aber gewöhnungsbedürftig.
Iles-de-la-Madeleine
- Das kanadische Cape Cod
- Auch als Magdalenen-Inseln bekannt
- Eine Gruppe von Fischerinseln im Atlantik, die zu Québec gehören
- Rund 13.000 Einwohner leben auf der Insel
- Pittoreskes Paradies für Paddler, Gourmets und Kite-Surfer
- Im Hafen von Cap-aux-Meules machen das ganze Jahr über Fähren und Kreuzfahrtschiffe fest
- Fünf Stunden dauert die Überfahrt mit der Autofähre von Prince Edward Island
Wir bevorzugen andere frankokanadische Spezialitäten – Fisch, Hummer, Meeresfrüchte oder den Käse, der auf den Inseln wie kaum ein anderes Produkt für das französische „Savoir-vivre“ steht. In der „Fromagerie du Pied-de-Vent“ stellt der Käser Rohmilchkäse her, die in Québec einen ausgezeichneten Ruf genießen. Rund 90 Kühe liefern ihm dafür die Milch. Ein Blick auf die reich bestückte Käsetheke zeigt, wie fleißig sie dabei sind.
Geschäftiges Treiben herrscht auch in der Räucherei „Le Fumoir d’Antan“ im Zentrum der Insel Île-du-Havre-Aubert. Dort räuchert die akadische Familie Arseneau seit Generationen in großen Holzschuppen Hering, Makrele, Lachs und Jakobsmuscheln. Der herzhafte Duft liegt noch kilometerweit in der Luft, wenn der oft kräftige Wind den Rauch über die Inseln trägt.

Bei dem ständigen Wind ist es kein Wunder, dass Kite Sportler die Inseln besonders mögen. Am zehn Kilometer langen Strand Plage de la Martinique sind am nächsten Morgen zahlreiche Kitesurfer mit ihren bunt leuchtenden Segeln unterwegs. „Besucher aus aller Welt kommen hierher, weil die Windverhältnisse bei uns einfach einzigartig sind“, erklärt uns ein Kite-Lehrer.
Der ausgebildete Profi hat für uns ein besonderes Erlebnis vorbereitet: Beim Kite-Buggying sitzen wir in stabilen Strandwagen und lassen uns von den Winden kilometerweit über den Strand ziehen. Dabei erreichen wir Geschwindigkeiten von bis zu 25 Stundenkilometern, an stürmischen Tagen kann es sogar das Vierfache sein – ein echter Nervenkitzel!

Als der Abend anbricht, paddeln wir in Kajaks ein Stück entlang der Steilküste am Cap-du-Sud, dem südwestlichsten Punkt des Archipels. Vorbei an roten Felsen und Klippen, unter Steinbögen hindurch, fühlen wir uns wie in einem Labyrinth aus Wasser, Sand und Gestein. Das Meer wiegt uns sanft, während die Sonne als roter Feuerball hinter dem Horizont versinkt. Das Schauspiel für die Augen nimmt auf den Magdalenen-Inseln einfach kein Ende.
ENDE
Wie komme ich da hin: Die Magdalenen-Inseln liegen im Golf von Sankt-Lorenz, geografisch etwa auf halber Strecke zwischen Nova Scotia und Prince Edward Island.
Flüge starten zum Beispiel in Montréal nach Cap-aux-Meules (oft mit Zwischenstopps in Québec City und Gaspé).
Im Sommer besuchen auch Kreuzfahrtschiffe die Inseln, viele starten in Montréal.
Eine Autofähre von Prince Edward Island steuert im Sommer täglich Cap-aux-Meules an, im Winter mehrmals in der Woche.
Reisezeit:
Die Insel ist ganzjährig erreichbar. Die beste Reisezeit ist während den Sommermonaten.
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Jörg Michel arbeitet als freier Journalist, Buchautor und Auslandskorrespondent in Kanada. Nach über zehn Jahren bei einer Tageszeitung in Berlin war er 2010 nach Kanada ausgewandert. Dort lebte er unter anderem in Banff, Jasper und Victoria bevor er nach Calgary zog. In Kanada hat er alle Provinzen und Territorien bereist, meist mehrmals. Im 360-Grad-Verlag sind von ihm zwei Reiseführer „abseits der ausgetretenen Pfade“ erschienen: einer über Alberta, einer über British Columbia.
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